Epilepsie beim Hund

 Graphik Sitz des Gehirns beim Hund

Immer häufiger wird man in den letzten Jahren mit Hunden konfrontiert, die unter epileptischen Anfällen leiden. Warum dies nicht nur eine Frage einer sauberen Zuchtauswahl ist, sondern dass das Auftreten dieser Erkrankung auch durch Fehler in Fütterung, Haltung und Pflege begünstigt werden kann, soll im folgenden aufgezeigt werden.

Grundsätzliches: Was versteht man unter Epilepsie?

Bei einem epileptischen Anfall – in der Tiermedizin spricht man auch häufig von epileptiformen Anfällen – kommt es zu einer abnormen Neuronenentladung im Hirn des Hundes, die zu plötzlichen unwillkürlichen, stereotypen Verhaltens- oder Befindungsstörungen führt. Jedes Hirn zeigt grundsätzlich eine bestimmte Krampfanfälligkeit, die bei Hunden mit epileptischem Syndrom bedingt durch bestimmte auslösende Faktoren erhöht ist. In Abhängigkeit davon, ob diese Neuronenentladung auf einen Teilbereich beschränkt bleibt oder das gesamte Gehirn betrifft, spricht man von einer partiellen oder generalisierten Form des Anfalls.

Generalisierter Anfall

Bei einem generalisierten Anfall findet eine Neuronenentladung im Bereich des gesamten Gehirns statt, man nennt schwere Anfälle dieser Art auch „Grand-mal-Anfälle".

Symptome: schlagartiges Hinstürzen in der Regel mit Bewusstseinsverlust, Versteifung der Glieder und Krämpfe (tonisch-klonisch) unterschiedlicher Schwere, Laufbewegungen, Kaubewegungen, Salivation (vermehrter Speichelfluss), unwillkürlicher Harn- und Kotabsatz, teilweise Atemstillstand, Gefahr des sogenannten Status epilepticus. So bezeichnet man einen Anfall, der über 30 Minuten anhält und lebensbedrohliche Formen annehmen kann. Durch die körperliche Belastung und die Beeinträchtigung der Steuerung des zentralen Nervensystems können wichtige Körperfunktionen wie Atmung, Blutdruck und Temperatur ausfallen. Darüber hinaus können massive Schädigungen der Gehirns durch lang anhaltende Entladung der Nervenzellen die weitere Folge sein.

Nach dem Anfall ist der Hund total erschöpft und entkräftet und muss sich regenerieren. Aufgrund von Vergleichen mit der Humanmedizin vermutet man, dass der Hund sich an nichts mehr erinnern kann und auch keine Schmerzen während des Anfalls empfindet.

Bei dieser Anfallsform teilt man den Verlauf häufiger in vier Phasen ein:
Prodromalphase: Stunden manchmal Tage, die dem Anfall vorausgehen und mit vermehrter Unruhe, Bewegungsdrang oder vermehrt ängstlichem Verhalten einhergehen
Aura: Zeit kurz vor dem Anfall, in der die Hunde oft abnorme Verhaltensweisen zeigen, sich verkriechen oder vermehrt die Nähe des Menschen suchen
Iktus: Zeit des eigentlichen Krampfanfalls, der entweder von kurzer Dauer (2-5 Minuten) sein kann – dies deutet auf eine primäre oder idiopathische Epilepsie hin – oder von langer Dauer ist – was bei einer sekundären Epilepsie oft der Fall ist.
postiktale Phase: Zeit der Erholung – einige Minuten bis zu mehreren Tagen – nach dem Anfall, die mit Bewusstseinstrübungen und Verhaltensstörungen einhergehen kann.

Partieller Anfall

Bei einem partiellen Anfall findet eine Neuronenentladung in einem Teilbereich des Gehirns statt.
Symptome: Anfall in der Regel ohne Bewusstseinsverlust, sehr unterschiedliche Symptomatik, Krampfen und Kontraktion(Zusammenziehen) einzelner Muskelgruppen oder Glieder, Verbiegen des Rückens, Verhaltensveränderungen mit Halluzinationen wie „Fliegenschnappen", Schwanzbeißen, Raserei, Angstzustände.
Nach dem Anfall kann eine leichte Verwirrung auftreten, aber es gibt keine ausgesprochene Erholungsphase

Neben der Unterscheidung auf Basis der betreffenden Hirnanteile ist für die Praxis eine andere Unterscheidung von noch größerer Bedeutung. Epilepsien werden unterschieden in primäre = idiopathische oder sekundäre Epilepsien.

Primäre (idiopathische) Epilepsie

Bei der primären oder idiopathischen Epilepsie fehlen körperliche Anzeichen wie Blutbild- oder Liquorveränderungen. Die Diagnose erfolgt dadurch, dass man die sekundäre Epilepsieform ausschließt.
Das bedeutet, dass die Ursachen einer primären Epilepsie noch nicht geklärt sind und man verschiedenste Faktoren hierfür in Betracht zieht wie z. B. Vererbung, Neurotransmitterstörungen etc.

Sekundäre (symptomatische) Epilepsie

 Graphik Nieren des Hundes

Bei der sekundären Epilepsie treten die Anfälle als Sekundärerscheinungen infolge von bestimmten Störungen auf. Hierzu zählen unter anderem: Traumata, Thrombosen, Tumore, organische Hirnstörungen, Infektionen wie Staupe, Toxoplasmose, Encephalitis, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Leber- und Nierenstörungen, als Vergiftungsfolge oder als Medikamentennebenwirkung.
Gerade im Bereich der sekundären Epilepsie finden sich viele Ansatzpunkte für eine positive Einflußnahme auf das Auftreten und das Ausmaß der Krankheit.

Genetische Disposition - rasseabhängig?

In der Praxis zeigt sich, dass gewisse Rassen wie Cocker Spaniel, Golden Retriever, Berner Sennenhunde etc. eine vermehrte Anfälligkeit für Epilepsien zeigen. Sicherlich spielt hier die Vererbung eine wichtige Rolle – was in den Bereich der verantwortungsvollen Zuchtausfall fällt – aber auch eine genetische Disposition zieht nicht immer zwangsläufig einen Ausbruch der Erkrankung nach sich.
Hier vermutet man eine sogenannte multifaktorielle Genese (verschiedene Ursachen werden in Betracht gezogen). Dies bezieht sich nicht nur auf die idiopathische Epilepsie. Auch bei der sekundären Epilespie sind verschiedenste Faktoren auslösend für den Ausbruch der Erkrankung. Diese gilt es klar zu erkennen, möglichst zu vermeiden oder sich individuell fütterungs-, haltungs- und pflegetechnisch darauf einzustellen.

Häufige Ursachen für sekundäre Epilepsien

 Graphik Nieren des Hundes

Da bei der sekundären Epilepsie primär andere Störungen vorliegen, die in ihrer Folge dann Epilespie bzw. epileptiforme Anfälle nach sich ziehen, ist es notwendig, die Primärstörung zu behandeln. Gleichzeitig zeigt dies auch den Weg für eine wirkungsvolle Prophylaxe auf.
Selbstredend können nicht alle organischen Hirnschäden, die als Folge z. B. von Traumata, Infektionskrankheiten etc. entstanden sind, geheilt werden. Aber gerade der Bereich der stoffwechselbedingten Epilepsie bietet auf zwei Weisen die Möglichkeit der positiven Einflussnahme.
Liegen bereits Krankheitssymptome vor, besteht durch das konsequente Einstellen von Fütterung, Pflege und Haltung die Chance einer Linderung bzw. Stabilisierung der Symptomatik. Aber auch für alle gesunden Hunde eröffnet sich hier die Möglichkeit einer Prophylaxe, indem man sich grundsätzlich auf eine stoffwechselfreundliche Lebensweise einstellt und so die potentielle Gefahr einer stoffwechselbedingten Epilepsie verringert.

Einige von möglichen Ursachen sekundärer epileptiformer Anfälle anzustrebende Prophylaxe bzw. Linderung durch
Traumata des Hirns, Thrombosen, Tumore
  • kaum möglich
Angeborene Hirnschäden
wie z. B. Hydrocephalus (Wasserkopf)
  • kaum möglich, eventuell Zuchtauswahl
Infektionskrankheiten
wie Staupe, Toxoplasmose, Encephalitis
  • kaum möglich
Vergiftungen durch chemische Stoffe
wie z. B. Schneckengifte(Metaldehyd), Rattengift (Strychnin), Weichmacher/Reinigungsmittel(Phosphorsäureester)
  • vermehrte Aufmerksamkeit wenn Gifte in Reichweite des Hundes sind und diese möglichst entfernen
  • Grundgehorsam, was das Aufnehmen von Unrat am Wegesrand betrifft
Vergiftungen durch Schokolade (Theobromin)
Medikamentennebenwirkungen
z. B. Insulinüberdosierung, Salizylsäure etc.
  • maßvoller und verantwortungsvoller Umgang mit Medikamenten (nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen)
Diabetes
(Unterzuckerung, Übergewicht)
  • das Gewicht des Hundes regulieren, damit der Diabetes Typ II nicht provoziert wird
  • Ausführliche Infos: Marengo Diabetes Diät
Leberstörungen
(Belastung duch synthetische Zusatzstoffe, synthetische Vitamine, Antioxydantien,chemische Medikamente, chemische Antifloh-Antizeckenpräparate, Eiweissfehlversorgungen, Fettüberversorgung, etc.)
  • Futter ohne synthetische Zusätze, synthetische Vitamine, Antioxydantien wählen
  • maßvoller Umgang mit Medikamenten, Impfungen und Wurmkuren
  • natürliche Antifloh-Antizeckenpräparate wie z. B. Marengo Limes Spray statt der chemischen Keule
  • Eiweißüberversorgungen durch zuviel Leckerchen vermeiden
  • Eiweißunterversorgung vermeiden
  • Ausführliche Infos: Marengo Leberdiät und Gesundes Belohnen
Nierenstörungen
(Belastung duch synthetische Zusatzstoffe, synthetische Vitamine, Antioxydantien, chemische Medikamente, chemische Antifloh-Antizeckenpräparate, Eiweissüberversorgung, Calcium- und Mineralstoffüberversorgungen)
  • Futter ohne synthetische Zusätze, synthetische Vitamine, Antioxydantien wählen
  • Futter mit moderatem Rohaschegehalt wählen
  • Eiweißüberversorgungen durch zuviel Leckerchen vermeiden
  • Ausführliche Infos: Marengo Nierendiät und Gesundes Belohnen

Häufige negative Verstärker

An Epilespie leidende oder epilepsiegefährdete Hunde haben von Natur aus eine niedrigere Stresstoleranz. Diese höhere Empfindlichkeit gegenüber Stress bedarf eines gut strukturierten, möglichst ruhigen Tagesablaufes unter Vermeidung von übermäßigen Stresssituationen. Hier eine Auflistung wichtiger Stressfaktoren des Alltags, die auch für Hundebesitzer mit gesunden Hunden interessant sind.
Natürlich soll man aus seinem Hund keinen „Greisen im Lehnstuhl" machen, aber ein gutes Stressmanagement mit genügend Ruhe- und Regnerierungsphasen ist für jeden Hund wichtig und senkt die Anfälligkeit für alle Arten von Erkrankungen.

Einige negative Verstärker anzustrebende Prophylaxe bzw. Linderung durch
Körperliche und geistige Überforderung
(maßloses Herumtollen mit Spielgefährten gerade bei Welpen, übermäßiges Ballspielen, Stöckewerfen oder Fahrradfahren)
Spielen ist wichtig und macht dem Hund in der Regel sehr viel Spaß, trägt also so zu einem gesunden Nervenkostüm bei.
Leider kennen viele Hunde ihre eigenen Grenzen nicht, gerade die leicht stressbaren Charaktere neigen stark dazu, sich zu übernehmen. Hunde sind wie Kinder, die Grenzen suchen und brauchen. Der Besitzer kann positiven Einfluss nehmen, indem er ein verantwortungsvolles Maß festlegt.
„Quietschendes" Spielzeug
Untersuchungen haben gezeigt, dass man bei einem normalen „Quietschentchen" tatsächlich 113 dB gemessen hat. Das entspricht einer Beschallung mit einer Kreissäge. Natürlich ist dies für empfindliche Hundeohren Stress und führt darum in der Praxis auch oft zu Überreaktionen, Aggressionen sowie tatsächlich zum Ausbruch eines Krampfanfalles bei Hunden mit Epilepsie.
Spielzeug sollte ebenfalls Spaß machen und muss dafür keine Geräusche von sich geben. Gut sind in diesem Zusammenhang auch „intelligente" und „belohnende" Spielzeuge.
Körperliche und geistige Überforderung
durch übermäßiges Trainieren
Ein regelmäßiges und angemessen langes Training ist gut für Körper und Psyche des Hundes. Übertriebener Perfektionismus und zu viel Ehrgeiz des Besitzers überfordern Hunde leicht und bringen am Ende auch nicht das gewünschte Ergebnis. Wenn es mal nicht so gut klappt, ist es wichtig, erst einmal wieder Ruhe einkehren zu lassen und beim nächsten Mal neu zu beginnen.
Rudelstress
körperliche und geistige Überforderung durch ein zu stressiges Rudel
Sinnvoll ist es, auch in einem Rudel immer wieder für Ruhezeiten zu sorgen, Rangordnungsprobleme bei mehreren Hunden zu beachten und jedem Rudelmitglied sichere Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen.
„Der alltägliche Wahnsinn"
Hierunter fallen Lebensumstände, die so hektisch sind, dass der Hund den ganzen Tag nicht zur Ruhe kommen kann. Hunde sind „Schlaftiere" und man weiß aus der menschlichen Ursachenforschung, dass Schlafentzug Krampfanfälle begünstigen bzw. auslösen kann.
Gut ist es, Struktur in den Alltag des Hundes zu bringen und einen möglichst geregelten, ruhigen Tagesablauf mit ausreichend Ruhephasen zu schaffen.
Individuelle „Alptraumsituationen" des Hundes
Hierzu gehören unterschiedlich auftretend : z. B. Silvesterknaller, Alleingelassen werden, Autofahren etc.
Individuelle Alptraumsituationen des Hundes sollte man so gut wie möglich meiden oder über psychologisches Training eine Verhaltensänderung antrainieren.

Chancen nutzen

Jeder kann seinen Hund, ohne es zu wollen, zum Epileptiker machen! Sekundäre Epilepsien – ausgelöst durch metabolische Störungen – sind bei jedem Hund möglich. Darum ist die Frage der richtigen Fütterung, Haltung, Pflege und medikamentösen Versorgung so wichtig.

Unabhängig davon, ob bei meinem Hund epileptische Anfälle auftreten, er eine Veranlagung mitbringt, ohne schon Symptome zu zeigen, oder noch keinerlei Verdachtsmomente bestehen, kann ein kluges Management, die Gefahr eines Auftretens von Epilepsie verringern und bei bestehendem Leiden eine positive Beeinflussung der Erkrankung möglich machen.

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Aktualisiert Juli 2017

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