Futteranalysen und Deklarationen richtig verstehen

Info-Leitfaden zum Artikel
weisser Mischling mit schwarzem Fleck um das linke Auge hält den Kopf aus seinem Nest
 

Die chemische Analyse
"Gehalt an Inhaltsstoffen"

Unter der Überschrift "Gehalt an Inhaltsstoffen" finden Sie auf Futtermittelsäcken eine Auflistung in der Form Rohprotein x%, Rohfett y%, Rohfaser z%, etc..
Diese Prozentzahlen geben nicht einen Anteil an Futterkomponenten wieder, sondern spiegeln die chemische Analyse des Futters wider. Diese Werte werden also im Labor ermittelt und fassen folgende Nährstoffgruppen zusammen:

 

1. Rohprotein:
Der Rohproteingehalt eines Futtermittels wird in der Regel aus dem enthaltenen Stickstoffanteil berechnet. (Da hierbei alle stickstoffhaltigen Verbindungen erfasst werden, schliesst das Rohprotein nicht nur das Reinprotein = Eiweiss ein sondern auch einige Substanzen nichteiweisshaltiger Natur wie z. B. freie Aminosäuren, Peptide etc. ein.) An dem Rohproteingehalt allein können Sie aber nicht erkennen, welche Qualität die enthaltenen Eiweisse haben.
Die Eiweissverbindungen können sowohl pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs sein. Als Eiweissträger kommen sogar Klauen, Federn, etc. in Frage.

Wenn der Hersteller mehr über die Qualität der Eiweisse aussagen möchte, führt er einige qualifizierte Aminosäuren unter 'Gehalt an Inhaltsstoffen' einzeln auf.
Als aussagekräftige Indikatoren für die Qualität des Gesamtproteins werden üblicherweise Lysin und Methionin ausgewiesen.
Lysin und Methionin sind hochwertige Muskeleiweisse, die nur bei der Verwendung von hochwertigen Eiweissquellen in Prozentzahlen von mehr als 0,8% bei Lysin und mehr als 0,4% bei Methionin vorkommen. (Sollten Sie Lysin oder Methionin unter den Punkten: 'Zusatzstoffe' oder aber auch 'Zusammensetzung' aufgelistet finden, so wurde synthetisches Lysin bzw. Methionin zugesetzt, in der Regel um die ansonsten minderwertigen Eiweissquellen aufzuwerten).

Steht auf dem Futtermittelsack z. B. Rohprotein 23,7%, Lysin 1,2%, Methionin 0,6%, so heisst das: Das Futter enthält insgesamt 23,7% Eiweiss. Von den 23,7% Eiweiss sind 1,2% Lysin und 0,6% Methionin.

Anmerkung bezüglich Abweichungen und Messtoleranzen: Zu beachten ist seit der Anpassung des Futtermittelrechts auf EU Standard, dass beim Rohprotein Mindestgehalte angegeben werden. Das bedeutet de facto, dass angegebene und tatsächliche Rohproteingehalte stark voneinander abweichen können.


Toleranz für Rohproteinwerte über 20%:
überschreitend 6,4% (absolut d. h. immer 6,4% bei jedem Gehalt über 20%)
unterschreitend 3,2% (absolut d. h. immer 3,2% bei jedem Gehalt über 20%)

Toleranz für Rohproteinwerte zwischen 12,5-20%:
überschreitend 32% (relativ d. h. 32% des jeweiligen Gehaltes)
unterschreitend 16% (relativ d. h. 16% des jeweiligen Gehaltes)

Toleranz für Rohproteinwerte bis 12,5%:
überschreitend 4% (absolut d. h. immer 4% bei jedem Gehalt unter 12,5%)
unterschreitend 2% (absolut d. h. immer 2% bei jedem Gehalt unter 12,5%)

Es kann also durchaus sein, dass in der Deklaration ein Gehalt von 28,4% Rohprotein ausgewiesen wird, obwohl der tatsächliche Gehalt 22% ist bzw. dass bei einem tatsächlichen Gehalt von 22% Rohprotein mit 18,8% deklariert werden darf.

Aufgrund dieser legalen Toleranzen, lassen sich zwei Aspekte herausstellen. Zum einen scheint die wissenschaftliche Messgenauigkeit auch heute noch deutlich ausbaufähig zu sein, zum anderen fehlt die notwendige Transpararenz für den Tierbesitzer.

Um sicher zu gehen, sollten Sie sich beim Futterhersteller erkundigen, ob er Mindestgehalte deklariert oder den tatsächlichen Proteingehalt.

 

2. Rohfett
Hier wird die Summe aller im Futter enthaltenen Fette aufgeführt. (Man fasst alle Inhaltsstoffe, die in Petroläther löslich sind unter Rohfett zusammen. Hierunter fallen neben den Triglyzeriden (reine Fette) auch Lipoide, Fettsäuren, Wachse und fettlösliche Vitamine.)

Auch hier gilt: es wird nichts über die Qualität der enthaltenen Fette ausgesagt. Ob hochwertige pflanzliche und tierische Fette enthalten sind oder im Extremfall Altöl, können Sie hier nicht erkennen.

Nach EU Futtermittelrecht werden Rohfettgehalte ebenfalls als Mindestgehalte deklariert.


Toleranz für Rohfettwerte:
überschreitend 2,5% (absolut d. h. immer 2,5% bei jedem Gehalt)
unterschreitend 2,5% (absolut d. h. immer 2,5% bei jedem Gehalt)
 

3. Rohfaser
Unter Rohfaser fasst man alle unverdauliche, pflanzliche Rohfaser zusammen. (Die Rohfaserfraktion Rfa enthält laut Definition die in verdünnter Säure und Lauge unlöslichen organischen Anteile eines Futters und umfasst im Wesentlichen pflanzliche Zellwand wie Zellulose, Hemizellulosen und Lignin.)
In der Hundeernährung ist die Rohfaser nicht identisch mit Ballaststoff. Die ausgewiesene Rohfaser ist zwar zu 100% Ballaststoff, aber sie ist nur ein Teil des Ballaststoffes.
Ein hoher Rohfaseranteil erhöht in jedem Fall die Kotmenge und spricht für die Verwendung minderwertiger pflanzlicher Ausgangsstoffe.

Nach EU Futtermittelrecht werden die Rohfasergehalte als Höchstgehalte deklariert, da aber hohe Rohfasergehalte unerwünscht sind, können Sie davon ausgehen, dass kein Hersteller höhere Rohfaseranteile ausweist als tatsächlich vorhanden sind. Grundsätzlich stellt sich hier die Frage, warum der unterschreitende Toleranzbereich weiter gefasst ist als der überschreitende. Im Sinne eines verbesserten Qualitätvergleichs von verschiedenen Futtersorten eine eher zweifelhafte Toleranzverteilung.


Toleranz für Rohfaserwerte:
überschreitend 1% (absolut d. h. immer 1% bei jedem Gehalt)
unterschreitend 3% (absolut d. h. immer 3% bei jedem Gehalt)
 

4. Rohasche
Unter dem Punkt Rohasche findet man im Wesentlichen die Summe der Mineralien und Spurenelemente. Quelle für die Rohasche sind neben den zugesetzten Mineralstoffen auch Komponenten wie Federn, Molke, minderwertige Eiweisse, Knochen, etc.. (Durch Ausglühen des Futters in einem sogenannten Muffelofen bei ca. 550°C wird der Rohaschegehalt bestimmt.) Der Rohascheanteil sollte nicht über 5% liegen (obwohl ein hoher Rohascheanteil in Verbindung mit viel minderwertigem Rohprotein ein Garant für harten Kot ist), da ein zu hoher Rohascheanteil eine starke Nierenbelastung (insbesondere bei gleichzeitiger Verwendung von synthetischen Vitaminen) darstellt.
Z. B. starke Zahnsteinbildung hat häufig ihren Anfang mit einem zu hohem Rohascheanteil im Futter genommen.
Aber auch Knochenstoffwechselstörungen können mit zu hohem Rohaschegehalt im Futter in Zusammenhang gebracht werden.

Nach EU Futtermittelrecht werden die Rohaschegehalte als Höchstgehalte deklariert. Da aber hohe Rohaschegehalte unerwünscht sind, können Sie davon ausgehen, dass kein Hersteller höhere Rohascheanteile ausweist als tatsächlich vorhanden sind.


Toleranz für Rohaschewerte:
überschreitend 1,5% (absolut d. h. immer 1,5% bei jedem Gehalt)
unterschreitend 4,5% (absolut d. h. immer 4,5% bei jedem Gehalt)
 

5. Was ist der Rest zu 100%?
Wenn man die Prozentzahlen von Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche zusammenzählt, ist man weit entfernt von 100%. Was also ist der Rest?

a) Rohwasser
Das Rohwasser wird bei einem Gehalt von unter 10% nicht ausgewiesen. Normale Trockenfutter weisen einen Rohwassergehalt von 7% - 10% auf.

b) N-freie Extraktionsstoffe
Der Rest zu 100% sind die sogenannten N-freien d. h. sticksofffreien Extraktionsstoffe, welche im wesentlichen die enthaltenen Kohlenhydrate sind. (Sie enthalten Kohlenhydrate wie Stärke, Zucker und lösliche Bestandteile der Zellwand und werden rein rechnerisch ermittelt! Hierbei handelt es sich um die Differenz von Trockensubstanz abzüglich der Summe von Rohasche, Rohprotein, Rohfett und Rohwasser.)

Die Kohlenhydrate stammen vor allen Dingen aus den pflanzlichen Futterkomponenten und bedingen zusammen mit dem Fettgehalt den Energiegehalt des Futters, der üblicherweise in Megajoule angegeben wird.
Es gilt also: je höher der Anteil an Rohfett und Kohlenhydraten ist, desto höher ist auch der Energiegehalt des Futters.

c) Die tatsächlich im Futter enthaltenen Vitamine.
Da deren Gesamtgewicht jedoch verschwindend gering ist, werden die Prozentzahlen vernachlässigt.

 

Trockensubstanz/Frischsubstanz
Die Angaben unter 'Gehalt an Inhaltsstoffen' beziehen sich bei einem Trockenfutter immer auf die sogenannte Trockensubstanz (TS). Diese bezeichnet den nach der Trocknung zurückbleibenden Anteil eines Futtermittels. Im Gegensatz hierzu bezeichnet die Frischsubstanz, die ursprüngliche Substanz eines Futters, die sich aus dem Anteil an Trockensubstanz und Rohwasser ergibt. Gerade bezüglich der Vergleichbarkeit zwischen Gehaltsangaben von Trocken- und Nassfutter führt dies sehr häufig zu Irrtümern und falschen Vorstellungen. Normalerweise wird eine Vergleichbarkeit immer auf Basis der Trockensubstanzwerte hergestellt.  

Die Futterkomponenten "Zusammensetzung"

Geschlossene Deklaration
Bei der geschlossenen Deklaration wird die Zusammensetzung nach Futtermittelgruppen laut §13 Anlage 2b der Futtermittelverordnung aufgeschlüsselt.
Laut aktueller Futtermittelverordnung ist generell eine Kennzeichnung als Fleisch, Fisch oder Milch nicht erlaubt. Es gibt unabhängig von der Qualität der Rohstoffe nur die übergreifenden Gruppenbezeichnungen: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Milch und Molkereierzeugnisse sowie Fisch und Fischereinebenerzeugnisse. Beim Getreide wird hier allerdings noch ein Unterschied gemacht. Hafer, Reis, Weizen, Mais und andere Getreide werden zu der Futtermittelgruppe Getreide zusammengefasst. Schälkleien, Nachmehle, Kleber, etc. müssen der Gruppe 'Pflanzliche Nebenerzeugnisse' zugeordnet werden.

Halboffene Deklaration
Bei der halboffenen Deklaration laut aktueller Futtermittelverordnung werden die einzelnen Futterkomponenten in der Reihenfolge ihrer relativen Menge bezogen auf die Frischsubstanz angegeben. So soll der Verbraucher sich eine realistische Vorstellung der enthaltenen Mengenverteilung machen können.

Offene Deklaration
Eine offene Deklaration ist im Petfoodbereich zum Schutz der Rezepturen nicht üblich, da über die Angabe der halboffenen Deklaration hinaus auch jeweils der enthaltene Prozentanteil hinter jeder einzelnen Komponente stehen muss. Die offene Deklaration wird fast ausschliesslich im Nutztierbereich angewendet.

Auslobung der Komponenten
Leider sind die Komponentenbezeichnungen selbst für Fachleute nicht besonders transparent.

Was genau ist Hühnermehl oder Truthahnfleisch??
Genauen Aufschluss kann hier nur das Datenblatt der Eiweissquelle geben. Aussagekräftig bei der Beurteilung der Fleischgrundlage ist nur der Proteingehalt der jeweiligen Komponenten. Fleisch, egal von welchem Tier, sollte mind. 65% Proteingehalt in der Trockenmasse enthalten. Zu hohe Rohascheanteile lassen auf einen hohen Anteil an Knochen, Federn, Klauen, etc. schliessen.

Die Proteingehalte der Fleischgrundlage müssen nicht ausgewiesen sein, was die Beurteilung sehr erschwert.

Wenn Sie also genauere Informationen über die Fleischgrundlage wollen, sollten Sie nach Angaben zum Proteingehalt des Fleisches suchen. Ausführliche Infos finden Sie unter Beurteilung einer Fleischgrundlage.

Das gleiche gilt, im übertragenen Sinne, auch für andere Komponenten, wenn auch nicht so drastisch wie bei der Fleischgrundlage.

Richtigerweise müssen auch Antioxidantien unter Zusammensetzung aufgeführt werden. Hier finden Sie Formulierungen wie "EG Zusatzstoff xy" oder "Antioxidans xy", richtigerweise müssten auch die als Antioxidantien eingesetzten synthetischen Vitamine E und C, oder beta-carotin hier aufgeführt werden, was aber eigentlich immer unterbleibt.

Häufig findet man auch nur Abkürzungen wie BHT oder BHA. Es gibt aber auch Futtermittelsäcke, bei denen die Antioxidantien unter dem Punkt "Gehalt an Zusatzstoffen " versteckt werden.

 

Die synthetischen Vormischungen "Gehalt an Zusatzstoffen"
"Unter Gehalt an Zusatzstoffen" wird die zugesetzte Menge an synthetischen Vitaminen und Spurenelementen ausgewiesen, die den Gehalt an natürlichen Vitaminen und Spurenelementen aus den Futterkomponenten nicht miteinbeziehen.
Natürliche Vitamine und Spurenelemente fallen unter Inhaltsstoffe, die unter 'Gehalt an Zusatzstoffen' aufgeführten synthetischen Zusätze unter Zusatzstoffe.

Die hier gemachten Angaben sollen dem Tierbesitzer erstens transparent machen, dass mit synthetischen Zusätzen gearbeitet wird und zweitens soll er die Möglichkeit der Gesundheitsschädigung für sein Tier abschätzen können. So gibt es zahlreiche synthetische Zusätze wie synthetisches Vitamin A und Kupfer, die laut Futtermittelverordnung ausweispflichtig sind, da Überdosierungen schwere Gesundheitschäden nach sich ziehen oder tödliche Folgen haben können.

Die hier getätigten Aussagen über laboranalytische Methoden beruhen auf dem Weender Analyseverfahren

Copyright by Marengo - EnRa GmbH&Co.KG
(Aktualisiert Juli 2010)

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